Stolz präsentieren die erfolgeichen Deutschkurs-Absolventen ihre Zertifikate. Sie bedankeen sich für die gute Fördeung und Unterstützung bei ihren Dozentinnen Eva Baszak und Marina Schmidt (vorne 5. und 6. von rechts) und Corinna Groth (hinten rechts), Amer Sehic (hinten 3. von rechts), Alina Matei und Irma Axt (vorne 7. und 8. von rechts) im Büro sowie bei VHS-Leiterin Claudia Mai (mittlere Reihe links)

Im Rathaus lernten die Neubürger Bürgermeister Stefan Frank (6. von links) kennen

Erfolgreicher Abschluss des Integrationskurses


Erfolgreicher Abschluss des Integrationskurses

„Ich will arbeiten.“ „So bald wie möglich möchte ich mir einen Job suchen.“ „Ich möchte eine Ausbildung als Erzieherin machen.“ „Ich will weiter Deutsch lernen.“ Das sind Pläne der Absolventen des besten Integrationskurses, der je an der VHS Amberg-Sulzbach Deutsch gelernt hat.

Im Bundesdurchschnitt beenden rund 60 % der Teilnehmer den Integrationskurs mit dem Sprachniveau B1 und etwa 35 % mit dem Niveau A2. Die übrigen bleiben unter A2. Beim Integrationskurs 29 der VHS sah es anders aus: Von den 24 Teilnehmern erreichten 22, also unglaubliche 92 %, das Sprachniveau B1, zwei schafften immerhin A2. Darüber sind sie ein bisschen traurig, fehlt ihnen doch nur ein Punkt zu B1.

Am 20. September hatte der Kurs begonnen, am 19. April war Prüfung. Vorher hatten die Zuwanderer aus Iran, Kasachstan, Kosovo, Rumänien, Russland, Syrien, Türkei und Ukraine intensiv mit ihren Dozentinnen Eva Baszak, Marina Schmidt und Corinna Groth gepaukt. Das allein hat aber nicht zu diesem großen Erfolg geführt. Die Teilnehmer organisierten eigenständig einen Gesprächskreis, um auch nach dem Unterricht zusammen zu üben, und unterstützten einander. Da spielte keine Rolle, aus welchen Land jemand kommt. Im Kurs half jeder dem anderen.

Bei der Zertifikatsübergabe hob Claudia Mai, die Leiterin der VHS, deshalb die große Leistung der Teilnehmer hervor. Sie dankte aber auch den engagierten Dozentinnen und den Verwaltungskräften im Hintergrund. „Auch wenn Ihr Kurs jetzt endet, lernen Sie weiter!“, forderte sie die Absolventen auf.

Auch die Lehrkräfte gratulierten. „Ihr wart immer fleißig und habt einen Meilenstein erreicht“, sagte Schmidt stolz. Baszak ergänzte: „Ihr wart super! Es hat mir Spaß gemacht mit eurer Gruppe.“ Ein Teilnehmer aus der Ukraine dankte im Namen der ganzen Gruppe den „sehr professionellen Lehrerinnen“ und der ganzen VHS für die gute Unterstützung.

Nach dem Kurs wollen die meisten so bald wie möglich arbeiten. Einer plant seinen Umzug nach Hamburg, weil er wieder als Schiffsführer auf hoher See tätig sein will. Eine andere ist jetzt schon als Kellnerin in der Gastronomie tätig und möchte in diesem Beruf bleiben. Mehrere brauchen noch bessere Sprachkenntnisse, um wieder in ihrem Beruf als Lehrerin, Pflegefachkraft oder Ingenieur arbeiten zu können. Sie wollen ab Herbst einen B2-Kurs besuchen. „Diese Zuwanderer sind eine Bereicherung für Deutschland“, sagte Irma Axt, die Integrationsbeauftragte des Landkreises, zufrieden.

Noch eine Woche lang lernen die Teilnehmer im Orientierungskurs alles, was sie über das  Leben in ihrer neuen Heimat wissen müssen. Sie haben auch das Rathaus besucht und Bürgermeister Stefan Frank kennengelernt. Sehr stolz waren sie auf sich, weil sie alles verstanden haben, was das Stadtoberhaupt und Rathausführin Tanja Weiß zu ihnen sagten.

Zwei Teilnehmer – zwei Schicksale – zwei Erfolgsgeschichten

Die 45-jährige Frauenärztin kommt aus Syrien. Der Kurs hat ihr Spaß gemacht und sie ist dankbar, dass sie dort auch Freunde gefunden hat, aber vor allem Sprechen findet sie schwierig. Trotzdem will sie möglichst schnell weiterlernen, weil sie das Sprachniveau C1 braucht, um hier in ihrem Beruf arbeiten zu dürfen. Aber sie kann sich ganz auf das Lernen konzentrieren, weil auch ihr Mann einen Deutschkurs besucht und ihre beiden Töchter im Gymnasium gut untergebracht sind.

Aus Odessa (Ukraine) kommt der 41-jährige Elektromechaniker. Er ist vor dem Krieg geflohen und fühlt sich in Sulzbach-Rosenberg wohl. „Eine sehr schöne Stadt“, findet er. Sein größtes Problem mit Deutsch sind die Artikel der, die, das. Das ist anders als auf Ukrainisch und völlig unlogisch. Er möchte sein Deutsch noch weiter verbessern, vor allem aber arbeiten. Deshalb hat er in zwei Wochen einen Vorstellungstermin für ein Praktikum und hofft, bei dieser Firma dann auch einen Arbeitsplatz zu bekommen.

Hintergrund:

Der Integrationskurs umfasst 600 Stunden Deutschlernen und wird mit dem Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) abgeschlossen. Je nach erreichter Punktzahl erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat über das höhere Sprachniveau B1, das niedrigere Niveau A2 oder nur eine Teilnahmebescheinigung. Nach dem Sprachkurs nehmen die Migranten am Orientierungskurs teil. In 100 Stunden lernen sie viel über deutsche Politik, Geschichte und Alltag, um sich auf das eigenständige Leben in Deutschland vorzubereiten. Dieser zweite Teil des Integrationskurses wird mit dem Test „Leben in Deutschland (LiD)“ abgeschlossen, der, wenn später alle anderen Voraussetzungen vorliegen, als Einbürgerungstest anerkannt wird.

Text und Bilder: Corinna Groth


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